Reiseblog KREUZFAHRTDEPESCHE First Kiss mit Pier 90 2

Schon von Weitem sieht man die imposante Silhouette von New York. Auf der Brücke der Europa 2 herrscht inzwischen organisierte Hektik. Zwei Lotsen haben das Kommando des Luxusschiffes übernommen und geben Kapitän Ulf Wolter Befehle, wie schnell und wo lang er das Schiff auf dem Hudson River steuern soll. Die Europa 2 kommt das erste Mal nach New York.

Skyline von New York

Skyline von New York

Bereits weit vor der Insel Long Island kommen zwei US-Lotsen an Bord, um die Europa 2 unbeschädigt an den Pier 90 auf dem Hudson River zu manövrieren. Knapp eine Stunde später steigt ein weiterer Lotse dazu, der nur für das „Einparken“ des Schiffes zuständig ist. Je näher wir an den Manhattan Cruise Terminal herankommen, umso mehr steigt die Spannung auf der Brücke und auch unter den rund 400 Passagieren, die auf dieser Route an Bord sind und bindfadenartig an der Reeling stehen. Keiner an Bord will den Erstanlauf der Europa 2 in New York verpassen. Kapitän Ulf Wolter hat selbst das Steuer übernommen. Auch für ihn ist dieses erste Rendezvous seines Schiffes mit der Metropole etwas ganz besonderes. Und so gibt er in regelmäßigen Abständen Position und Geschwindigkeit des Schiffes an die beiden US-Lotsen weiter, die auf der Brücke ganz vorne am Fenster stehen und mit Fernglas und Laptop den sichersten Weg durch den Hudson River finden.

Europa 2 vor der Skyline von New York

Die Europa 2 vor der Skyline von New York.

Links Freiheitsstatue, rechts Skyline

Auf der rechten Seite (Steuerbord) baut sich langsam die imposante Skyline von New York auf, die gerade von der Seeseite aus einen atemberaubenden Anblick bietet. Links (Backbord) empfängt uns die Freiheitsstatue, die jeder aus diversen Hollywood-Filmen kennt. Auf dem Hudson River herrscht um 11 Uhr reges Treiben. Unzählige Fährboote kreuzen unseren Weg. Die Luft ist vollgepackt mit Helikoptern, die in unterschiedlichsten Missionen (Polizei, TV, Shuttle etc.) über der Stadt kreisen. Für mich schwebt ein leichtes Brummen über dem „Big Apple“. Die Straßen, die Schiffe, die U-Bahn, die Menschen, selbst die Hubschrauber wirken wie Adern, die immer wieder Adrenalin in den Kreislauf von New York pumpen. Die Metropole lebt. Nirgends auf der Welt hab ich bisher dieses Gefühl gehabt.

Freiheitsstatue New York

Das Wahrzeichen von New York: Die Freiheitsstatue am Rande des Hudson Rivers.

Hudson River, Sullenberger und Flug 1549

„Wo war die Stelle, auf der das Flugzeug auf dem Fluss gelandet ist?“, will ein Offizier der Europa 2 von den Lotsen wissen. Einer der beiden zeigt mit dem Finger auf eine Stelle, etwa 100 Meter vor uns. „Genau da hat Pilot Sullenberger das Flugzeug aufs Wasser gesetzt“, erklärt der Lotse. „Eine unglaubliche Leistung“, fügt der Jüngere kopfschüttelnd dazu. Gemeint ist der US-Airways-Flug 1549, der am 15. Januar 2009 wenige Minuten nach dem Start aufgrund von Problemen mit den Triebwerken auf dem Hudson River mit einer Notwasserung endete. Alle 150 Passagiere und die fünf Besatzungsmitglieder überlebten damals das Unglück. Sullenberger ist seitdem ein Held in den USA.

Das war es dann aber auch schon mit den lockeren Gesprächen auf der Brücke, denn der dritte US-Lotse betritt die Kommandozentrale. Er wird das Schiff rückwärts an den Pier 90 am Manhattan Cruise Terminal lenken. „Und das Manöver hat es wirklich in sich“, erklärt Kapitän Wolter. „Der Hudson River hat eine sehr starke Strömung und wenn das Schiff mit der Seite von der Strömung erfasst wird, kann man es kaum noch lenken und eine Kollision mit dem Pier wäre sehr wahrscheinlich.“ Und so macht sich der Lotse konzentriert ans Werk. Wer will schon für einen Schaden an einem 5-Sterne-Luxusliner verantwortlich sein?

Für alle ein spannender Moment: Die Europa 2 parkt rückwärts am Pier 90 ein. Kapitän Uwe Wolter diskutiert mit dem US-Lotsen und Offizier.

Für alle ein spannender Moment: Die Europa 2 parkt rückwärts am Pier 90 ein. Kapitän Uwe Wolter (re.) diskutiert mit dem US-Lotsen (mi.) und einem Offizier seiner Crew.

Gänsehautfeeling bei Kapitän Wolter

Die kurzen, knappen Befehle des Lotsen setzt Kapitän Wolter sofort und präzise um. Immer im Kontakt mit einer Offizierin der Europa 2, die am Heck des Schiffes steht und der Brücke per Funk die Lage des Schiffes und die Entfernung zum Anleger meldet. Ganz langsam kommt das Schiff zum Stehen und fängt genauso langsam an sich rückwärts zu bewegen. Sehr behutsam dreht das Heck Steuerbord in Richtung Pier 90. Nach vielen spannenden Minuten lockern sich die Gesichtszüge von Kapitän und Lotse, die Europa 2 hat problemlos am Pier festgemacht. „Gänsehautfeeling“, freut sich Wolter über den gelungenen Erstanlauf in New York.

Eine lange Reise geht für die meisten Passagiere hier in New York zu Ende. Gestartet in Funchal auf Madeira und mit einem ganz kurzen Zwischenstopp auf Bermuda hat die Europa 2 die Transatlantiküberquerung ohne Schwierigkeiten gemeistert. Mehr über die Europa 2 und New York folgt in Kürze.

Hinweis: Der Autor wurde von Hapag-Lloyd-Kreuzfahrten auf diese Reise eingeladen. Herzlichen Dank!

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