Auckland: Leben auf dem Vulkan

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Reiseblog KREUZFAHRTDEPESCHE Auckland: Leben auf dem Vulkan 9

Den Spitznamen „City of Sails“ hat sich Auckland, das an Neuseelands schmalster Stelle der Nordinsel liegt, eingebettet zwischen Pazifik im Osten und Tasmanischer See im Westen, in vielerlei Hinsicht verdient.

Die 1,7 Millionen-Stadt, die Jahrhunderte vor den Kolonialherren von den Maori gegründet wurde, verbindet auf magische Weise moderne und kosmopolitische Einflüsse mit faszinierenden polynesischen Traditionen. Über 200.000 Seegelboote sind in Neuseelands größter Stadt, die auf einem Feld von 50 erloschenen Vulkanen errichtet wurde, offiziell registriert. Noch heute sind die Bewohner stolz darauf, Gastgeber für den America’s Cup im Hauraki-Golf, eines der schönsten Segelreviere im Pazifik, gewesen zu sein.

Princes-Warf MS Oosterdam

An der Princes-Warf: Blick von der „MS Oosterdam“ auf „Hilton“- Hotel und Harbour-Bridge. (Fotos: Ehlers)

Die „MS Oosterdam“ macht im Morgengrauen an der Princes Wharf fest. Gleich um die Ecke liegt das Maritime Museum und direkt gegenüber vom Schiff das Hilton-Hotel. „Seien Sie vorsichtig, wenn Sie Ihre Kabine auf der Steuerbordseite haben und morgen früh die Vorhänge aufziehen“, hatte uns Kapitän Peter Bos am Vorabend mit einem Augenzwinkern vor unverhofften Zuschauern auf den gegenüber liegenden Balkonen gewarnt. Er muss es geahnt haben – einige Gäste winken uns vom Balkon fröhlich zu.

Néill and Ceillhe Sperath

Néill and Ceillhe Sperath: Der Deutsch-Ire und die Maori bieten seit zehn Jahren individuelle Neuseeland-Touren an.

Maori-Häuptlinge als Ur-Ur-Ahnen

Am Pier warten schon Néill (45) and Ceillhe Sperath (43) mit ihrem silberfarbenen Mercedes-Sprinter auf uns. Der in Hamburg geborene Deutsch-Ire und die Maori sind ein Ehepaar und eingespieltes Team. Die beiden Inhaber von „Time unlimited Tours“ haben in den vergangenen zehn Jahren ein Unternehmen aufgebaut, das mittlerweile 15 Guides beschäftigt und für seine authentischen, individuellen Touren mit dem Global Tourism Award ausgezeichnet wurde. Ceillhe hat berühmte Ur-Ur-Ahnen. Ihre Wurzeln reichen über sieben Generationen in direkter Linie zu zwei Maori-Häuptlingen zurück, die 1840 den „Treaty of Waitangi“ (Vertrag von Waitangi) mit den Briten ausgehandelt haben.

Aucklands wilder Westen

Unsere Tagestour führt zunächst in Aucklands wilden Westen. Nur 40 Minuten von der Stadt entfernt beginnt nahe Titirangi der Waitakere Ranges Regional Park, der 16.000 Hektar Regenwald und rund 250 Kilometer Wanderwege umfasst. Das Arataki Visitor Centre mit seinem Naturlehrpfad, in das jedes Jahr u.a. 12.000 Schulkinder kommen, ist ein guter Ausgangspunkt, um mehr über Ausflugsziele und die Geschichte der Maori zu erfahren. Von der Höhe hat man bei Sonnenschein einen weiten Blick bis zu Aucklands Manukau Harbour in der Tasmanischen See.

Piha Beach

„Piha Beach“ mit dem „Lion Rock“.

Holzkunstwerke erzählen Geschichten

Für die imposanten Maori-Schnitzarbeiten an der Front und im Inneren des Besucherzentrums wurden Kauri-Bäume verwendet. Bis zu 50 Meter hoch werden die neuseeländischen Kauri-Fichten, die auch wir im Regenwald sehen. Tane Mahuta („Gott des Waldes“) nennen die Maori den ältesten, noch existierenden 2000 Jahre alten Baumriesen. Heute stehen die Kauri-Bäume unter Naturschutz und dürfen nur noch für rituelle Zwecke der Maori gefällt werden. „Die Maori hatten ursprünglich keine Schrift, die kam erst mit den Briten. Bis dahin konnten sie ihre Botschaften nur in Holzkunstwerken ausdrücken“, erklärt uns Néill die ausdrucksstarken Figuren mit ihren traditionellen Mokos (Tätowierungen).

Beim Arataki Visitor Centre beginnt auch der 70 Kilometer lange „Hillary Trail“, der 2010 zu Ehren von Neuseelands berühmtesten Bergsteiger, dem Mount-Everest-Bezwinger Sir Edmund Hillary, eröffnet wurde. Wer den Weg durch den hügeligen Regenwald, durch Tunnel und über atemberaubende Strände bis zum Muriwai Beach in vier bis fünf Tagen erwandern will, sollte top-fit und Camping-erfahren sein. Darauf weist ein großes Plakat vor dem Besucherzentrum ausdrücklich hin. Unser Guide Néill begleitet gelegentlich Kunden auf diesem Weg, aber wir haben zu wenig Zeit und ziehen das Auto vor.

Holly Hunter

Berühmter Strand der Filmgeschichte: Oscar-Preisträgerin Holly Hunter ging hier in „Das Piano“ an Land.

Berühmter Strand der Filmgeschichte

Unter Néills Führung laufen wir vom Zion Hill für eine Viertelstunde durch Regenwald, Dünen-Trampelpfade und schwarzen, feinen Sand an einen der berühmtesten Strände der Filmgeschichte: die Bucht von „Karekare“ („Bucht des wilden Wassers“). Unvergesslich, wie einst Oscar-Preisträgerin Holly Hunter im Film „Das Piano“ (1993) mit Tochter und Klavier von einem Maori-Kanu aus in stürmischer Brandung erstmals neuseeländischen Boden betritt. An diesem wolkenverhangenen Februar-Tag treffen wir allerdings nur auf ein paar Angler und Camper, was dem Zauber der zerklüfteten Landschaft aber keinen Abbruch tut.

Ebenfalls am Hillary Trail liegt, eingebettet in vulkanische Felsformationen, der berühmte Surf- und Badestrand „Piha Beach“ mit dem „Lion Rock“. „Die Maori haben ihn so getauft, weil der Felsen wie ein liegender Löwe aussieht“, erklärt Néill. Der Strand dahinter heiße „White Beach“, weil er der Familie White gehöre, „dabei ist der Vulkansand natürlich schwarz“, lacht unser Guide. Dort befinde sich auch das Ferienhaus von Edmund Hillarys Familie, in dem er einen Großteil seiner Jugend verbracht habe.

Mount Eden

Blick vom „Mount Eden“ („Maungawhau“) auf Aucklands Skyline und in einen 50 Meter tiefen grasbewachsenen Vulkankrater.

Grandioser Ausblick vom Mount Eden

Ein absolutes Muss für Auckland-Besucher ist der Ausblick vom „Mount Eden“, fünf Kilometer südlich der City. Der „Maungawhau“ („Berg des Whau-Baumes“), wie die Maori den erloschenen Vulkan nennen, an dem sie bis zur Ankunft der Kolonialherren über Jahrhunderte ihre Siedlungen hatten, ist mit 196 Metern die höchste Erhebung Aucklands. Von seinem Gipfel hat man den besten Blick auf die Skyline, einige Vulkankegel und in einen 50 Meter tiefen, grasbewachsenen Vulkankrater, der nicht betreten werden darf.

Neuseelands größtes Kunstmuseum

Bevor wir abends zur „MS Oosterdam“ zurückkehren müssen, machen wir mit Terry Hobin von Auckland Walks noch einen zweistündigen Spaziergang durch Aucklands Innenstadt, vorbei an schicken Luxus-Boutiquen, einladenden Cafe´s, der 1926 eröffneten Universität bis hin zur grünen Lunge der City, dem „Albert Park“ mit seinen modernen Skulpturen und einem Queen-Victoria-Denkmal. Ganz am Rande des „Albert Parks“ steht Neuseelands größtes und bedeutendstes Kunstmuseum, die Auckland Art Gallery („Toi o Tamaki“), die 2011 um einen Neubau erweitert wurde. In ihr sind alle wichtigen Künstler des Landes sowie internationale Künstler vertreten. Sehenswert sind nicht nur die 15.000 Kunstwerke, sondern auch der imposante Eingangsbereich. „Die Front und das Dach wurden aus dem Holz des Kauri-Baumes hergestellt“, erklärt Terry Hobin die Verbindung von Tradition und Moderne.

Flugverbindungen nach Sydney und Neuseeland gibt es von Deutschland aus über zahlreiche internationale Drehkreuze u.a. mit Air New Zealand, Singapore Airlines oder Emirates. Mehr Infos über Neuseeland unter: www.newzealand.com
Die „MS Oosterdam“ ist ein klassisch-elegantes Kreuzfahrtschiff. Passagierkapazität: 1.916; Besatzung: 817. Sie verfügt über elf Passagierdecks. Bordsprache ist Englisch, aber es gibt Mitarbeiter an der Rezeption, die Deutsch sprechen und eine Speisekarte auf Deutsch. Holland America Line ist eine der großen Kreuzfahrtgesellschaften mit europäischen Wurzeln, deren Geschichte bis ins vorletzte Jahrhundert zurück reicht. Zur Flotte gehören 15 Premiumschiffe mittlerer Größe, die unter niederländischer Flagge fahren. Bei den Readers Choice Awards 2012 des renommierten „Porthole Cruise Magazins“ wurde Holland America Line in acht Kategorien ausgezeichnet, darunter „Beste Alaska-Routen“, „Beste Landausflüge“ und „Beste Privatinsel für Half Moon Cay“. Weitere Infos unter: www.hollandamerica.com
Reiseführer „Sydney“ mit City-Map von Dumont und „Reise-Handbuch Neuseeland“ von Dumont
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